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Grippe und was dagegen hilft

Wen es noch nicht erwischt hat, für den ist es noch nicht zu spät: Eine Grippeimpfung baut innerhalb von zwei Wochen einen wirksamen Schutz vor der Infektion auf. Wer sich nicht impfen lassen will, sollte rechtzeitig das Immunsystem stärken. Doch auch wenn der Infekt bereits da ist, gibt es einige wirksame Medikamente. Medizin-Forum sagt, worauf es ankommt; denn die echte Grippe (Influenza) ist eine schwere Erkrankung, an deren Folgen in Deutschland jährlich über 10.000 Menschen sterben.

>Grippeimpfung
>Vorbeugung
>Behandlung

Eine echte Grippe erkennt man an vier Kriterien:

  • Influenza-Infekte in der Region;
  • plötzlicher, heftiger Beginn;
  • hohes Fieber, evtl. Schüttelfrost;
  • starkes Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Bettlägerigkeit, Muskel- und Gliederschmerzen.

Wenn das Immunsystem die Viren nicht erfolgreich bekämpfen kann, drohen Lungenentzündung und zusätzliche Ansiedelungen von Bakterien, die Entzündungen der Nebenhöhlen, des Mittelohrs und der Atemwege verursachen können und häufig nur durch den Einsatz von Antibiotika bekämpft werden können (BEACHTE: Antibiotika wirken aussschliesslich gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Sie sind daher bei allen Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, völlig wirkungslos.)

Wichtige Links:
Arbeitsgemeinschaft Influenza: http://www.dgk.de/agi; Aktueller Influenzabericht unter http://www.dgk.de/agi/aktuell.htm
Infoseiten der Firma Glaxo Wellcome: http://www.grippe-info.de (mit geschlossenem Infobereich für Ärzte und Apotheker)
Robert-Koch-Institut, vor allem aktuelle Meldung "Influenza" aus dem Archiv der Pressemitteilungen: http://www.rki.de/AKTUELL/PRARCHIV/ARCHIVPR.HTM
Ratgeber der RKI zur Influenza: http://www.rki.de/INFEKT/RATGEBER/RAT.HTM , Stichwort "Influenza" aufsuchen.
Impf-Empfehlungen der Ständigen Impf-Kommission (STIKO):http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/STIKO/STIKO.HTM

Grippeimpfung

Die Grippeimpfung wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus den Virusstämmen, die im vorhergehenden Jahr weltweit Influenza-Erkrankungen hervorgerufen haben, und die vermutlich im laufenden Jahr in einer bestimmten Region die häufigsten Krankheitserreger sein werden. Da sich die Influenza-Viren in ihrem genetischen Code sehr schnell verändern, kann es jedoch passieren, dass eine Grippewelle von einer Neumutation ausgelöst wird, gegen die noch kein Impfstoff entwickelt wurde. Eine Grippeimpfung kann aus diesem Grund einen vollständigen Schutz nur gegen Influenza-Viren bieten, die bereits im Vorjahr bekannt waren.

Niedergelassene Ärzte haben in aller Regel Grippe-Impfstoff vorrätig, so dass eine Grippe-Impfung kurzfristig durchgeführt werden kann. Die Kosten hierfür übernehmen die Krankenkassen.

Zusätzlich zur Grippeimpfung kann eine Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll sein: Pneumokokken sind bakterielle Krankheitserreger, die schwere Lungenentzündungen auslösen können und häufig im Gefolge einer Viruserkrankung auftreten. Die Impfung ist für ältere Patienten sinnvoll, aber auch für junge Menschen, deren Immunsystem durch eine erhebliche Grundkrankheit belastet und geschädigt ist.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen eine Grippe-Infektion ist ein leistungsfähiges Immunsystem. Um dies zu erreichen, sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • Eine langfristig ausreichende Vitaminversorgung (also Vitamin C nicht erst bei den ersten Symptomen, sondern am besten über den ganzen Winter hinweg; der Nutzen von Megadosen über 1g pro Tag ist nicht nachgewiesen).
  • Ausreichender Aufenthalt an der frischen Luft (auch an trüben Tagen) und abhärtende Maßnahmen wie Wechselduschen (das kalte Abduschen nach dem Baden bzw. Duschen erhöht kurzfristig, aber messbar die Zahl der Lymphzellen im Blut).
  • Ausserdem sollte man darauf achten, sich immer warm genug anzuziehen und keine kalten Füße zu bekommen: Kalte Füße führen auf reflektorischem Weg zu einer Minderdurchblutung der Nasenschleimhaut. Dadurch können Krankheitserreger leichter durch die Schleimhautbarriere dringen.
  • Zusätzlich kann das Immunsystem durch pflanzliche Mittel wie Sonnenhut (Echinacea), Thuja und Baptisia gestärkt werden, oder durch Lösungen mit inaktiven Bakterien, sogenannte immunmodulierende Bakterienlysate. Derartige Mittel sollten jeweils über mehrere Wochen verabreicht werden, anschliessend eine Einnahmepause, und dann eventuell ein weiterer Einnahmezyklus.
  • Eine medikamentöse Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem Influenza-A-Virus kann mit Amantadin durchgeführt werden (Rezeptpflicht). Dieses Medikament wird seit langer Zeit zur Unterstützung der Hirnfunktion verwandt. Die ärztliche Erfahrung zeigte, dass derartig behandelte Patienten viel seltener und weniger schwer an der Influenza-Grippe erkrankten als nicht behandelte Patienten, so dass das Arzneimittel inzwischen auch zur Prophylaxe der Grippe-Infektion zugelassen ist.


Infos zu Amantadin: für Ärzte: http://www.merz.de , die Seite des Arzneimittelherstellers (Doc-Check-Passwort; dann alphabetische Präparateliste > Infex© )

Behandlung

Die wichtigste Allgemeinmaßnahme bei einer echten Grippe ist körperliche Schonung, Ruhe, Bettlägerigkeit. Das Fieber sollte nur gesenkt werden, wenn es über 39°C steigt, wenn Schüttelfrost oder Fieberdelirien auftreten. Zur schonenden Fiebersenkung eignen sich kalte Wadenwickel. Eventuell können auch Paracetamol oder Acetylsalicylsäure verwandt werden, die die Symptome allgemein lindern. Das Fieber sollte aber nicht vollständig beseitigt werden, da es einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Viren leistet.

Kinder können gegen Kopfschmerzen Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen auftragen (z.B. Euminz©, Lichtwer).

Zur Symptomlinderung tragen zudem pflanzliche Mittel bei: Thymian und Efeu zum Einnehmen bei Husten, Salbei bei Halsschmerzen, Majoranbutter in die Nase bei Schnupfen, ebenso Einreibungen mit Eukalyptus, Kiefernadel etc.

Amantadin, bereits erwähnt als Vorbeugungsmittel, hemmt die Vermehrung und Ausbreitung der Viren im Körper (Rezeptpflicht). Es kann die Krankheitssymptome einer Influenza-A-Infektion erheblich dämpfen und hilft, die Erkrankung innerhalb weniger Tage zu überwinden, wenn die Behandlung innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn begonnen wird.

Seit wenigen Monaten steht in Deutschland ein weiterer, sehr wirkungsvoller Hemmer der Virus-Ausbreitung zur Verfügung: Zanamavir hemmt den Aufbau der Außenwand der Viren (durch Hemmung des Enzyms Neuraminidase) und verhindert damit die Vermehrung sowohl von Influenza-A- als auch von Influenza-B-Viren wirkungsvoll. Es wird eingesetzt, wenn eine Grippeimpfung nicht durchgeführt wurde und eine Infektion vom Arzt als für den Patienten gefährlich eingeschätzt wird. Die Therapie muss so schnell wie möglich beginnen, auf jeden Fall innerhalb der ersten 48 Stunden nach Beginn der Symptome. Der Krankheitsverlauf kann dadurch erheblich abgemildert und verkürzt werden.

Wichtig ist NACH überstandener Grippe eine ausreichend lange Zeit körperlicher Schonung, da ansonsten Rückfälle und bakterielle Superinfektionen drohen. Leichte körperliche Belastungen können nach drei fieberfreien Tagen begonnen werden; sportliche Aktivitäten sollten erst zwei Wochen nach Abklingen des Fiebers wieder aufgenommen werden. Bekannt und gefürchtet sind lange Genesungszeiten bei Leistungssportlern; Ursache ist in fast allen Fällen ein zu früher Trainingsbeginn.

Mehr Informationen über Zanamavir: http://www.merz.de (Seite des Arzneimittel-Herstellers Glaxo-Wellcome)

 

Die Autorin dieses Artikels, Susanna Kramarz, ist praktische Ärztin in Berlin.

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