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Antibiotika in der Chirurgie
> Indikationen
Prä- und intraoperative Prophylaxe
Peri- und postoperative Antibiotikagabe
> Wichtige
Antibiotika in der Chirurgie
Indikationen
In der Chirurgie setzt
sich immer mehr eine kalkulierte Antibiotika-Gabe durch, die der Empirie
mit chirurgischen Infektionen Rechnung trägt: Zahlenmäßig
stehen in der Statistik der Krankenhaushygieniker zwar die Wundinfektionen
mit ca. 25 % aller nosokomialen Infektionen zwar nur an zweiter Stelle,
sind aber für fast 50 % der Kosten verantwortlich, die durch alle nosokomialen
Infektionen hervorgerufen werden.
So wird dem Patienten heute bei entsprechender Indikation noch vor Auftreten
von Infektionszeichen intraoperativ ein Antibiotikaschutz gewährt,
wenn klinisch relevante postoperative Infektionen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
zu erwarten sind, und die Antibiose wird bei einer Reihe von Indikationen
auch postoperativ weitergeführt. Es handelt sich dabei nicht um eine
Prophylaxe:
Eine Antibiotikagabe bei septischen Wunden ist - auch bei Fehlen systemischer
Symptome - immer eine Therapie.
Die Antibiotikagabe
wird grundsätzlich grosszügiger gehandhabt bei abwehrgeschwächten
Patienten, Endokarditis, Implantaten oder unvorhergesehen hohem intraoperativem
Keimeintrag. Wenn in einem unsterilen Operationsgebiet gearbeitet wird
(v.a. Darm), wird bereits vor der Operation ein Antibiotikum i.v. appliziert
und bei länger dauernden Operationen später aufgefrischt. zurück
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Tabelle
1. Infektionsrisiko in der Chirurgie.
| Wundart |
Definition |
Infektions-risiko |
| Saubere
Wunden |
Op-Wunden
ohne Verbindung zu entzündeten oder kontaminierten Regionen |
1,5% |
| Kontaminations-gefährdete
Wunden |
Wunden
im Bereich des Verdauungs-, Respirations- oder Urogenitaltrakts ohne
Infekt und ohne Austritt von Flüssigkeit |
8% |
| Kontaminierte
Wunden |
Wunden
des GI-Trakts mit Flüssigkeitsaustritts oder am Urogenitaltrakt
mit infektiösem Inhalt; frische traumatische Wunden |
18% |
| Verschmutzte
Wunden |
Perforierende
Wunden im Bereich eines Hohlorgans oder eiternde Wunden; verzögerte
vorsorgte traumatische Wunden; Tier- und Menschenbisse |
über
40% |
Prä- und perioperative
Antibiotikagabe
Bei entsprechender Indikation (siehe Tabelle 2) wird das Antibiotikum
bei der Einleitung der Anästhesie intravenös mit verabreicht
und ggf. noch einmal nachgereicht, wenn der Eingriff im unsterilen Gebiet
länger dauert als das Medikament wirkt. Eine postoperative Weiterbehandlung
ist nur bei entsprechender Indikation (siehe "Postoperative Antibiotikagabe")
angezeigt.
Tabelle 2. Perioperative Antibiotikagabe bei chirurgischen
Eingriffen.
| OP-Gebiet |
Erreger |
Antibiotika |
Prophylaxe? |
| Halsbereich |
Staph.aur.,
Strepto, Klebsiella, Anaerobier |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Cephalosporine I und II |
nur
bei Eröffnung von Pharynx, Trachea, Ösophagus, Palliativ-OP,
Re-OP bei Struma maligna |
| Mamma |
Staph.aur.+epidermidis |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Cephalosporine I und II |
nur
bei Vorbestrahlg, Rezidiv-OP mit Thorax-Eröffng. |
| Lunge |
Staph.aur.+epid.;
Strepto, gramneg. Stäbchen, Anaerobier, Pneumo-, Enterokokken,
Pilze |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Ceph I und II |
ja |
| Ösophagus |
Staph.aurl,
Strepto, gramneg. Stäbchen, Anaerobier, Enterokokken |
Amoxicillin/Clavulansäure |
ja |
Magen/
Dünndarm |
Staph.aur.,
Strepto; gramneg. Stäbchen, Anaerobier, Enterokokken |
Amoxicillin/Clavulansäure |
nur
bei Malignom, älteren Pat., Pylorusstenose, H2-Blocker oder Protonenpumpen-hemmer,
schwere Blutung |
| Gallenwege |
gramneg.
Stäbchen, Strepto-, Enterokokken, Clostridien |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Cephalosporine II und III (gallengängig) |
nur
bei akuter Entzündung, Empyem, Steinen, Malignom, Stauungsikterus |
| Hernien |
Staph.aur.+epiderm.,
gramneg. Stäbchen |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Cephalosporine I und II |
nur
bei Material-Implantationen |
| Appendix,
Dickdarm, Rektum |
Gramneg.
Stäbchen, Anaerobier, Enterokokken |
Aminoglykosid+Ornidazol/
Metronidazol/
Clindamycin |
Bei
Appendizitis eventuell; bei Kolon-OP immer. |
| Perforationen
der GI-Traktes |
Gramneg.
Stäbchen, Anaerobier, Enterokokken |
Imipenem/Cilastin;
Piperacillin/Tazobactam;
Aminoglykosid+Amoxicillin
+Ornidazol/
Metronidazol/
Clindamycin
|
Therapie
über 3 bis 5 Tage |
| Neurochirurgie |
Staph.aur.,
Enterobakterien, Pseudom. aerug., Pneumokokken, Staph.epid.(bei Shunts
und Drainagen) |
Vancomycin+CephIII
+Gentamycin
(evtl.)
oder Vanco+Rifampicin |
nur
bei unsauberem Op-Gebiet. Bei Infektion 3-5 Tage oder länger |
| Transplantationen |
Gramneg.
Stäbchen, Staph.aur., Pilze |
Amoxicillin/Clavulansäure;
Ceph III (gallengängig) |
immer
über 4-5 Tage |
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Postoperative
Antibiotikagabe
Der Deutsche Arbeitskreis für Krankenhaushygiene in der Deutschen
Gesellschaft für Chirurgie hat in internationalem Konsens zwei Leitlinien
für die postoperative Infektionsprophylaxe und -behandlung herausgegeben
(Link siehe Quellennachweis). Die Leitlinien sehen
folgende Empfehlungen vor:
Kein postoperatives
Antibiotikum bei
aseptischen Wunden;
Wunddrainagen;
Gefäss- und Blasenkatheter;
nicht perforierter, akuter
Appendizitis;
perforiertem Gastroduodenalulkus,
Op innerhalb 12 Stunden;
Verletzungen des Darmes,
Op innerhalb von 12 Stunden;
Kontakt des Peritonealraums
mit Darminhalt bei elektiven und Notfalleingriffen;
Appendektomie und Cholezystektomie
wegen früher abakterieller oder phlegmonöser Appendizitis.
24 Stunden postoperativ Antibiotikum bei
offenen Frakturen, die
älter sind als 12 Stunden;
gangränöser
Appendizitis oder Cholezystitis;
Darmresektion als Folge
von Ischämien, Darmverschlingungen oder Ileus bei fehlender Perforation;
48 Stunden postoperativ Antibiotikum bei
Infektion des Bauchraumes
aus verschiedenen, begrenzten Herden, mit Eiteransammlung;
Versorgung von Darmverletzungen
oder Magen-Darm-Perforationen erst über 12 Stunden nach dem
Ereignis; noch keine intraabdominellen Infektionszeichen;
Liquor-Shunt-Operationen.
bis zu 5 Tage postoperativ Antibiotikum bei
diffuser intraabdomineller
Infektion aus verschiedenen Infektionsquellen
akute Divertikulitis mit
lokaler Peritonitis
über 5 Tage postoperativ Antibiotikum bei
infizierter Pankreasnekrose
und anderen schweren Infektionen des Bauchraumes, bei denen der
Infektionsherd nicht einfach zu kontrollieren
ist;
schwere Infektion des
Bauchraumes mit geplanter Relaparotomie;
frische, postoperative
Infektion des Bauchraumes. zurück
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Wichtige Antibiotika
Im folgenden sollen nur diejenigen Antibiotika bzw. Antibiotika-Zusätze
besprochen werden, die in der Tabelle 2 erwähnt werden und im perioperativen
Einsatz sinnvoll und bewährt sind. Wir nennen sie in alphabetischer
Reihenfolge.
Aminoglykosid
(hier: Gentamycin)
Amoxicillin
Cephalosporine
I (hier: Cefazolin)
Cephalosporine
II (hier: Cefuroxim; gallengängig: Cefotiam)
Cephalosporine
III (gallengängig: Ceftazidim)
Cilastin
Clavulansäure
Clindamycin
Imipenem
Metronidazol
Ornidazol
Piperacillin
Rifampicin
Tazobactam
Vancomycin
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Aminoglykosid (hier: Gentamycin)
Aminoglykoside stören die bakterielle Proteinsynthese im Ribosom
der Erreger und wirken bakterizid. Sie haben ein breites Spektrum, sind
aber wirkungslos gegen Anaerobier und einige Streptokokken und Enterokokken.
Sie haben nur eine sehr geringe therapeutische Breite und schädigen
das Gehör unter Umständen schon nach einer relativ kurzen Therapiedauer
irreversibel. Sie dürfen deshalb nur möglichst kurzfristig und
bei vitaler Indikation verabreicht werden und in Kombination mit einem
Betalaktam. Dadurch kann die Dosis reduziert und ein breiteres Erregerspektrum
abgedeckt werden. Bei kontinuierlicher Gabe muss zusätzlich mit einer
- meist reversiblen - Schädigung der Nierentubuli gerechnet werden.
Deshalb sind ständige Kontrollen des Serum-Kreatinin unerlässlich.
Alle Aminoglykoside haben eine HWZ von ca. 2 Stunden, werden zu 20% an
Plasmaeiweiss gebunden, nicht metabolisiert und renal eliminiert (Dosisreduktion
bei Nierenschädigung). Bei Vorschädigung der Nieren oder des
Innenohres sind sie relativ kontraindiziert, bei Schwangerschaft besteht
eine absolute Kontraindikation.
Amoxicillin
Amoxicillin hemmt
die Zellwand-Biosynthese der Erreger und ist bakterizid. Es hat ein gegenüber
Penicillin G (Streptokokken, Pneumokokken, Listerien, Treponemen) etwas
erweitertes Spektrum: Es erreicht auch gramnegative Keime und Enterokokken.
Bei 5-10% aller Patienten wird ein nicht-allergisches Exanthem beobachtet
(vor allem bei Niereninsuffizienz und infektiöser Mononukleose);
gelegentlich treten gastrointestinale Beschwerden oder eine interstitielle
Nephritis auf. Kontraindiziert sind Aminopenicilline nur bei Penicillinallergie
oder infektiöser Mononukleose.
Aminopenicilline haben eine HWZ von 1-1,2 Stunden, eine Plasmaeiweissbindung
von 20% und werden zu 80% unverändert renal ausgeschieden. Bei Niereninsuffizienz
ist die Dosis entsprechend zu reduzieren.
Die Aminopenicilline Amoxicillin und Ampicillin sind auch in Kombination
mit einem Beta-Laktamase-Hemmer erhältlich (siehe Clavulansäure).
Dies erhöht ihre Sicherheit gegenüber Erregern, die in der Lage
sind, Penicilline enzymatisch abzubauen. zurück
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Cephalosporine
I. Generation (Cefazolin)
Alle Cephalosporine hemmen die Zellwand-Biosynthese der Erreger und wirken
damit bakterizid. Cefazolin hat seinen Einsatz im grampositiven Keimspektrum
(ausser Enterokokken) und auch bei einigen gramnegativen Erregern wie
E.coli, Gono- und Meningokokken und Klebsiellen. Es kann alternativ zu
Penicillinen bei Penicillin-Allergie eingesetzt werden; eine Kreuzallergie
besteht allerdings in ca. 10%.
Alle Cephalosporine verstärken die Nephrotoxizität von Aminoglykosiden
(siehe oben), deshalb unbedingt Kontrollen des Serum-Kreatinins. Eine
Anaphylaxie ist möglich, ebenso Transaminasenanstieg, Thrombophlebitis
an der Injektionsstelle, Hämolyse und Knochenmarksschädigungen.
Cefazolin hat eine HWZ von 1,5 bis 2 Stunden, ist zu 75% an Plasmaeiweiss
gebunden, wird unmetabolisiert zu 90% renal eliminiert (Dosisreduktion
bei Niereninsuffizienz).
Cephalosporine II. Generation
Cefuroxim und Cefotiam wirken besser als Cefazolin gegen gramnegative
Keime und relativ gut auch gegen Staphylokokkus aureus. Ihre Nebenwirkungen
und Kontraindikationen entsprechen denen der Cephalosporine der I. Generation.
Beide Antibiotika haben eine HWZ von 1 bis 1,2 Stunden, liegen zu 40%
an Plasmaeiweiss gebunden vor, werden zu ca. 80% renal eliminiert (Dosisreduzierung
bei Niereninsuffizienz) und werden nicht metabolisiert. Cefotiam ist gallengängig
und wird deshalb eingesetzt, wenn eine Antibiose zusätzlich zum vasalen
Weg auch in den Gallenwegen oder im Darmlumen erreicht werden soll, also
bei Traumata, Perforationen und Operationen im gesamten Gastrointestinaltrakt
von Magen bis Rektum.
Cephalosporine III. Generation
Sie wirken noch besser als die Cephalosporine der II. Generation gegen
gramnegative Keime - auch Problemkeime, weshalb sie vor allem bei schweren
und schwersten Infekten des Respirationstrakts eingesetzt werden. In der
Chirurgie interessant ist das gallengängige Ceftazidim, weil es zusätzlich
wirksam ist gegen resistente Pseudomonas aeruginosa-Stämme. Deshalb
wird es bei schweren, operationspflichtigen Gallenwegserkrankungen und
bei Transplantationen eingesetzt. Nebenwirkungen und Kontraindikationen
entsprechen denen der Cephalosporine der I. Generation.
Ceftazidim hat eine Halbwertzeit von 1,8 Stunden, ist zu 10% an Plasmaeiweiss
gebungen, wird zu 90% renal eliminiert (Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz)
und gering metabolisiert.
Alle Cephalosporine sind dialysierbar. zurück
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Cilastatin
Cilastatin ist kein Antibiotikum, sondern ein Enzymhemmer: Das extrem
breitbandige Betalaktam-Antibiotikum Imipenem wird nämlich durch
eine Dipeptidase in der Niere inaktiviert. Cilastatin hemmt diese Dipeptidase
und verhindert damit den raschen Abbau von Imipenem. Es wird daher obligat
zusammen mit Imipenem verabreicht.
Clavulansäure
Clavulansäure ist ebenso wie Tazobactam (und Sulbactam) nicht primär
ein Antibiotikum, sondern ein Hemmer der Beta-Laktamase. Dieses Enzym
wird von einer Reihe von Erregern produziert, um verschiedene Penicilline
zu inaktivieren, so zum Beispiel von Staph. aureus, Klebsiellen, Haemophilus
influenzae, E.coli und anaeroben Bacteroides-fragilis-Spezies. Betalaktam-Inhibitoren
werden deshalb Penicillinen zugesetzt, wenn Beta-Laktamase-aktive Erreger
vermutet werden oder nachgewiesen sind, vor allem bei nosokomialen, sekundären
und therapierefraktären Infektionen, Abszessen und abwehrgeschwächten
Patienten.
Clindamycin
Clindamycin wirkt bakteriostatisch durch Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese.
Seine Domäne sind Anaerobier-Infektionen (Bact. frag. in 5-10% primär
resistent). Es wird in der Chirurgie immer mit anderen Antibiotika kombiniert.
Clindamycin hat erhebliche gastrointestinale Nebenwirkungen (u.a. Erbrechen,
Antibiotika-assoziierte Diarrhö, pseudomembranöse Kolitis),
Allergien, wirkt gelegentlich hepatotoxisch und Blutbild-schädigend.
Ausserdem verlängert es die neuromuskuläre Blockade nach Gabe
von Muskelrelaxanzien, worauf in der Führung und Ausleitung von chirurgischen
Eingriffen geachtet werden muss - vor allem bei leberinsuffizienten Patienten.
Clindamycin hat eine HWZ von 2-3 Stunden, ist im Plasma zu 90% an Eiweiss
gebunden, wird nur zu 10% renal eliminiert, zu 90% hepatisch und zu ca.
70% metabolisiert (teilweise aktive Metaboliten).
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Imipenem
Die beiden Carbapeneme Imipenem und Meropenem haben ein extrem breites
Spektrum im grampositiven, gramnegativen, aeroben und anaeroben Erregerkreis
einschliesslich Pseudomonas aerug.. Sie wirken bakterizid durch Hemmung
der bakteriellen Zellwand-Synthese und werden bei schwersten nosokomialen,
nekrotisierenden, abszedierenden Infektgeschehen eingesetzt. An Nebenwirkungen
ist auf Allergien, gelegentlich Anaphylaxie, zu achten, auf Thrombophlebitiden
an der Injektionsstelle, gelegentlich Anstieg der Transaminasen, Nephrotoxizität
und Blutbild-Veränderungen. Bei Meningitis kann Imipenem-Gabe Krampfanfälle
auslösen. Hier ist es daher kontraindiziert. Da bereits Resistenzen
gegen Imipenem bekannt sind, sollten Carbapeneme tatsächlich nur
bei vitaler Indikation eingesetzt werden.
Imipenem hat eine Halbwertzeit von einer Stunde, liegt zu 20% an Plasmaeiweiss
gebunden vor (Meropenem zu 2%), wird zu 70% unmetabolisiert renal ausgeschieden,
zu 20-30% als inaktiver Metabolit. Bei Niereninsuffizienz wird die Dosis
reduziert. Da Imipenem durch ein Enzym der Nieren abgebaut wird, muss
dieses Antibiotikum immer zusammen mit einem entsprechenden Enzymhemmer
verabreicht werden (siehe Cilastatin).
Metronidazol
Metronidazol und andere Nitro-Imidazole wie Ornidazol hemmt die Nukleinsäurensynthese
und wirkt bakterizid auf Anaerobier einschliesslich Bact. frag. und Protozoen-hemmend
(Amöben, Lamblien). Es wird in vor allem in der Bauchchirurgie eingesetzt,
und zwar in Kombination mit anderen Antibiotika (Aminoglykosid, Amino-
oder Acylureidopenicillin, Clindamycin). Metronidazol ist teratogen und
darf daher in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden; bei
Kindern und Jugendlichen ist die Indikation sehr streng zu stellen und
die Therapiedauer auf maximal zehn Tage zu beschränken. An Nebenwirkungen
müssen gastrointestinale Störungen, selten Blutbildveränderungen
und Allergien, aber auch ZNS-Störungen beachtet werden, vor allem
bei Alkoholikern und Patienten im medikamentösen Entzug.
Metronidazol hat eine HWZ von 9 Stunden, ist zu 20% an Plasmaeiweiss gebunden,
wird vorwiegend renal eliminiert und zu 50% metabolisiert. Bei Leber-
und Niereninsuffizienz muss die Dosis daher entsprechend reduziert werden.
Ornidazol
siehe Metronidazol
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Piperacillin
Das Acylureidopenicillin Piperacillin hemmt die Biosynthese der Zellwand
und wirkt bakterizid. Sein Spektrum ist dem dem der klassischen G-Penicilline
im Bereich der Enterokokken und der gramnegativen Keime weit überlegen
und erstreckt sich auch auf Pseudomonas aerug.. Da es durch Beta-Laktamasen
(vor allem von Staph. aureus, Haem. infl., Klebsiella, E.coli, Anaerobier)
inaktiviert werden kann, wird es im Einsatz in der Bauchchirurgie mit
dem Beta-Laktamasehemmer Tazobactam kombiniert. Die Nebenwirkungen sind
gering: Allergien treten seltener auf als bei Penicillin G; gastrointestinale
Beschwerden werden beobachtet, selten eine interstitielle Nephritis und
Anstieg der Transaminasen. Aminoglykoside werden durch Piperacillin inaktiviert;
deshalb nicht in derselben Infusionslösung verabreichen.
Piperacillin hat eine Halbwertzeit von eienr Stunde, ist zu 30% an Plasmaeiweiss
gebunden, wird zu 80% renal eliminiert (Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz)
und zu 20% unmetabolisiert hepatisch ausgeschieden.
Rifampicin
Rifampicin ist ein Reserve-Antibiotikum, das heute vor allem in der Tuberkulosetherapie
eingesetzt wird. Es wirkt bakterizid durch Hemmung der bakteriellen RNA-Synthese
und hat erhebliche Nebenwirkungen (siehe unten). Es ist aber indiziert
bei Meningokokken-Meningitis - sogar zur Infektionsprophylaxe von Kontaktpersonen
- und in der Neurochirurgie, wenn eine Infektion mit grampositiven und
-negativen Kokken und Haemophilus influenzae angenommen werden muss und
ein Infektionsherd "in der Tiefe" erreicht werden muss. Schweiss,
Tränen, Urin, Speichel färben sich orange; es treten Störungen
des GI-Trakts auf, Kopfschmerzen, Schwinde., Allergien. Selten sind Blutbildveränderungen
und Leberschädigungen zu beobachten. Bei Lebererkrankungen und in
der Stillzeit ist Rifampicin kontraindiziert, in der Schwangerschaft muss
die Indikation sehr streng gestellt werden. Da es die Lebertätigkeit
stimuliert, ist mit einer Wirkungsabschwächung zahlreicher Medikamente
zu rechnen, u.a. Betablocker, Ciclosporin, Ciclosporin, Glukokortikoide,
Phenytoin.
Rifampicin hat eine Halbwertzeit von drei Stunden, liegt zu 80% an Plasmaeiweiss
gebunden vor, wird zu 70% metabolisiert und vorwiegend über Leber
und Gallenwege eliminiert. zurück
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Tazobactam
siehe Clavulansäure
Vancomycin
Vancomycin wird eingesetzt bei Infektionen durch grampositive Keime, vor
allem wenn eine Übersiedlung mit Methicillin-resistenten Staphylokokkus
aureus (MRSA) angenommen werden muss, zum Beispiel bei Meningitis nach
Schädelhirntrauma oder neurochirurgischen Eingriffen. Das Glykopeptid-Antibiotikum
wirkt bakterizid durch Synthese-Hemmung der Zellwand. Es ist erheblich
nephro- und ototoxisch, führt zu Allergien, lokalen Venenentzündungen
an der Infusionsstelle, selten auch Blutbildveränderungen. Von einer
Kombination mit Aminoglykosiden, Schleifendiuretika oder Amphotericin
B sollte abgesehen werden. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Vancomycin
streng kontraindiziert, bei vorbestehender Innenohrschädigung relativ.
Vancomycin hat eine Halbwertzeit von 6 Stunden, ist zu 50% an Plasmaeiweiss
gebunden, wird renal eliminiert und kaum metabolisiert.
Ausblick
Unsere Zusammenfassung über Antibiotika in der Chirurgie kann nicht
erschöpfend sein, sollte aber einen hinreichenden und orientierenden
Überblick geben. In der Zukunft werden wir das Thema "Antibiotika"
immer wieder aufgreifen - u.a. mit den Schwerpunkten Antibiotika in der
Pädiatrie, der Pneumologie, Nephrologie.
(S.
Kramarz, Ärztin)
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Quellen:
[1] Berthold, H., Klinikleitfaden Arzneimitteltherapie. Urban & Fischer,
München Jena, 1999.
[2] Braun, J., Dormann, A., Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban &
Fischer, Jena, 1999.
[3] Dormann, A. et al., Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban &
Fischer, Jena, 1997.
[4] Forth, W. et al., Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie,
Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, Oxford, 1998.
[5] Korinek. A.-M. et al., Risk Factors for Neurosurgical Site Infections
after Craniotomy; A Prospecive Multicenter Study of 2944 Patients. Neurosurgery
41 (1997) 1073-1081. (zu finden über http://www.medizin-forum.de/medline/
)
[6] Largiadèr, F., Checkliste Chirurgie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart,
1999.
[7] Leitlinien des Arbeitskreises für Krankenhaushygiene in der Deutschen
Gesellschaft für Chirurgie, zu finden auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft
der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF, http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/
[8] Wolf, Weihrauch,
Internistische Therapie 2000.2001, Urban & Fischer, München Jena,
2000.
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