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Analgetika

> Indikationen
> Zusätzliche Massnahmen
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Stufenschema
> Substanzgruppen
     Indikationen
     Kontraindikationen
     UAW
> Additive und Begleitmedikationen

Indikationen

"Schmerz ist eine unangenehme sensorische und emotionale Empfindung, die mit akutem oder drohendem Gewebsschaden verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird."1 Akuter Schmerz wird in der Regel durch eine akute Erkrankung oder Verletzung (Operation) hervorgerufen und dient als Warnsignal. Wird der Schmerz nicht sofort und angemessen beseitigt, so droht eine Chronifizierung. Chronifizierte Schmerzen entbehren häufig eines somatischen Korrelats und gehen mit einer erheblichen Verschlechterung der gesamten psychosozialen Lebensqualität einher.

Schmerzen können eingeteilt werden in nozizeptive und neuropathische Schmerzen; diese Einteilung ist für das Therapieregime von Bedeutung. Ein Schmerz in Folge direkter Irritation von Schmerzrezeptoren durch Entzündung oder Trauma wird "nozizeptiv" genannt. Für sie gelten die Regeln des Stufenschemas. Schmerzen aufgrund von Läsionen des peripheren Nervensystems oder des Rückenmarks selbst, aufgrund einer sympathischen Reflexdystrophie oder Deafferenzierungsschmerzen (z.B. Phantomschmerz) sind "neuropathisch". Sie sind in der Regel nur durch Opioide und oft nur in Kombination mit Begleitmedikationen erreichbar.                                                                                                  zurück zum Seitenanfang


Stufenschema (nach WHO)

Das Stufenschema wurde zur Therapie des Tumorschmerzes entwickelt, hat sich aber auch für die Therapie anderer schwerer Schmerzkrankheiten etabliert.

Stufe I Nicht-Opioid-Analgetika
PLUS
kausale Therapie
Stufe II Nicht-Opioid-Analgetika PLUS
schwache Opioide
PLUS
kausale (falls möglich),
additive und invasive Therapie
Stufe III Nicht-Opioid-Analgetika PLUS
starke Opioide
individuell, um maximale Schmerzfreiheit zu erreichen


Substanzgruppen


Nicht-Opioid-Analgetika

Nicht-Opioid-Analgetika greifen nicht nur peripher, sondern zumeist auch zentral an. Sie wirken häufig nicht nur analgetisch, sondern auch antipyretisch, antiinflammatorisch und teilweise auch muskel-entspannend. Für starke Schmerzen nach Trauma, Operation, Verbrennung etc. sind sie in aller Regel nicht ausreichend.

Substanz max. Tagesdosis (Erwachsener, 70 KG) Wirkungen Wichtigste unerwünschte Wirkungen und wichtige Kontraindikationen
Acetylsalicylsäure 2-6 g entzündungshemmend, analgetisch,
fiebersenkend
erhöhte Blutungs- und Ulkusneigung. Nach OP und Trauma kontraindiziert.
Paracetamol 2-6 g analgetisch, fiebersenkend gut verträglich (Leberschäden)
Metamizol 2g analgetisch, fiebersenkend,
entzündungshemmend, spasmolytisch
v.a. nach i.v.-Gabe Allergie, Schock, Agranulozytose (sehr selten)
NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Piroxicam, Indometacin etc.)        entzündungshemmend,
analgetisch
Gastrointestinale Ulzerationen
COX-2-Antagonist
(Meloxicam)
15 mg entzündungshemmend, analgetisch Oberbauchbeschwerden, aber weniger Ulzera
COX-2-Hemmer
(Rofecoxib)
25 mg entzündungshemmend, analgetisch Oberbauchbeschwerden, aber weniger Ulzera
zentral wirkender
NMDA-Antagonist (Flupirtin)
300 mg analgetisch, muskelrelaxierend Müdigkeit u.a.
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Schwach und mittelstark wirksame Opioide (ohne BtM)

Opioide binden in den schmerzleitenden Strukturen des ZNS direkt an die Opiatrezeptoren. Die Domäne dieser Opiat-Gruppe sind posttraumatische und postoperative Schmerzen, zudem Verbrennungen sowie Tumorschmerzen und neuronale Schmerzen wie Deafferenzierungs-(Phantom-)schmerzen. Wenn der Patient mit diesen Mitteln nicht schmerzfrei wird, so ist ein Wechsel auf stark wirksame Opioide geboten. Das Entstehen einer Abhängigkeit ist nur dann zu befürchten, wenn eine Bedarfsmedikation ausschliesslich bei Schmerzspitzen durchgeführt wird. Ein gleichmässiger Plasmaspiegel ist daher anzustreben. Dadurch kann selbst bei Tumorpatienten einer (oft überschätzte) Abhängigkeit und Toleranzentwicklung entgegengewirkt werden. Wichtigste Nebenwirkung der meisten Opioide ist eine erhebliche Obstipation, gelegentlich auch Übelkeit und Erbrechen. Hier sind Metoclopramid und ggf. auch Haldol erfolgversprechend.

Substanz max. Tagesdosis
und Applikation
Wirkungen wichtigste unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen
Dihydrocodein 240 mg oral ret. schwaches Opioid starke Obstipation
Tramadol* 600 mg oral und oral ret. (rect., i.v.) schwaches Opioid Sedierung und Emese
Tilidin+
Naloxon*
600 mg oral und
oral ret.
schwaches Opioid       
Dextropropoxyphen 450 mg oral schwaches Opioid im WHO-Stufenschema als Alternative zu Dihydrocodein empfohlen. Lange HWZ, deshalb Kumulationsgefahr.
Pentazocin* * 1400 mg oral
240 mg i.m.
mittelstarkes Opioid, kurze Halbwertzeit Psychosen, Halluzinationen, Orthostase-Probleme; Drucksteigerung im kleinen Kreislauf
Pethidin* 240 mg oral, i.v., s.c. mittelstarkes Opioid, kurze Halbwertzeit wie Pentazocin

* Partielle Agonisten und Agonist/Antagonisten weisen eine geringere Atemdepressivität auf als reine
Opiatrezeptor-Agonisten, aber auch eine geringere Analgesie.
* Pentazocin und Pethidin sind BtM-pflichtig. Wegen ihrer kurzen Wirkdauer spielen sie nur im
posttraumatischen / postoperativen Bereich eine Rolle.                                           
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Stark wirksame Opioide (alle BtM-pflichtig)

In der Tumortherapie, der posttraumatischen und postoperativen Schmerzbekämpfung und in der Behandlung schwerer neuronaler Schmerzzustände sind stark wirksame Opiate unverzichtbar. Das eventuelle Abhängigkeitspotential dieser Medikamente ist hier völlig bedeutungslos, es sei denn, ein Patient bringt bereits eine einschlägige Anamnese mit. Doch selbst in diesen Fällen ist gegen eine kurzfristige Opiattherapie schwerer Schmerzzustände in aller Regel nichts einzuwenden. Es sollte in diesen Fällen allerdings möglichst bald auf Nicht-Opioide umgestellt und der Patient gegebenenfalls bei psychischer Instabilität suchttherapeutisch begleitet werden.

Das grösste Problem während der Opiatgabe ist die erhebliche Obstipation. Bei hohen Dosierungen ist ausserdem auf die Atemdepressivität (deshalb nicht mit Benzodiazepinen kombinieren), gegebenenfalls eine Steigerung des Hirndrucks, Spasmen im Magen-Darm- und Harntrakt, in Gallen- und Pankreasgängen zu achten. Eine Opioid-Überdosierung kann mit Naloxon antagonisiert werden (Ausnahmen: Buprenorphin und Tilidin+Naloxon).

Substanz Maximale Tagesdosis und Applikationsformen Wirkstärke Besonderheiten
Morphin

1200 bis 1600 mg (retard)
1/3 der or. Dosis (supp)
1/10 der or. Dosis (s.c.)

1 erhebliche Obstipation
Fentanyl 9 mg transdermal       weniger GI-NW als Morphin
Piritramid 45 mg iv., i.m.
300 mg rect.
0,75 Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, kardiovask. Komplikationen geringer als bei Morphin
Buprenorphin 4 mg (subling., i.v., i.m., transdermal) 60-70 Bei Überdosierung: Antagonisierung mit Doxapram (in Deutschland nicht im Handel)
Hydrocodon 60 mg 1          
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Additive und Begleitmedikationen

Eine Therapie mit Analgetika kann in vielen Fällen durch zusätzliche Medikationen sinnvoll
begleitet und unterstützt werden.

Indikation Substanzen Bemerkungen
chronische Schmerzen Trizyklische Antidepressiva (Ausnahme: Serotonin-Uptake-Hemmer und MAO-Hemmer) Antidepressiva haben eine direkte analgetische Wirkung, die nach einigen Tagen bis Wochen eintritt. Die Patienten müssen auf die anticholinergen NW hingewiesen werden.
chronische neurogene Schmerzen und Tumorschmerzen Neuroleptika Sedierend und anxiolytisch. Levopromazin (Neurocil®) wirkt auch analgetisch.
Neuropathische Schmerzen Antikonvulsiva, v.a. Carbamazepin und Phenytoin und Gabapentin. Sinnvoll bei allen attacken-artigen und triggerbaren Schmerzformen, Neuralgien, Postzoster. Carbamazepin einschleichend dosieren. Bei unerträglichen Schmerzen kann Phenytoin infundiert werden.
Tumorerkrankungen mit schlechter Prognose Corticoide Analgetisch bei Knochenmetastasen; stimmungsaufhellend, appetitfördernd, antiödematös, dadurch Reduktion von Kapselschmerzen. Reduktion des Hirnödems, deshalb M.d.W. bei zerebralen Tumoren und ggf. Status migraenosus.
Spasmen, Koliken Butylscopolamin      
Erbrechen Metoclopramid Immer mit ausreichendem Zeitabstand vor der oralen Gabe des Analgetikums oder anderer Medikamente

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Zusätzliche Massnahmen

Abgesehen von chronischen Schmerzsyndromen ist jeder Schmerz ein Warnsignal, das an sich bekämpft werden muss, dessen Ursachen aber auch schnellstmöglich beseitigt werden müssen.

Neben den allgemeinen therapeutischen Massnahmen (operative Eingriffe, antibiotische oder sonstige Interventionen) sind folgende nicht-medikamentösen Massnahmen möglich:

Krankengymnastik vor allem bei chronisch kranken Patienten und in der postoperativen Rehabilitation.
Massagen von Kontrakturen, Lymphstauungen, bei Fehlhaltungen etc..
Kälte (lokaler analgetischer Effekt), Wärme (tendomuskuläre Entspannung, Spasmolyse), Hydrotherapie bei allen entzündlichen, degenerativen und traumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparats, postoperativ und bei funktionellen Durchblutungsstörungen.

Bei chronischen Schmerzkrankheiten sind psychotherapeutische Ansätze wie Entspannungstraining oder Verhaltenstherapie erfolgversprechend.

TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) wird angewandt z.B. beim Schulter-Arm- und beim HWS-Syndrom.

Massnahmen aus dem Bereich der Anästhesiologie wie Periduralkatheter sind indiziert bei chronischen, therapieresistenten Schmerzen (Onkologie).

Thalamusschmerzen z.B. nach Schlaganfall müssen häufig neurochirurgisch angegangen werden. Schwere Schmerzsyndrome bei chronischer Pankreatitis sind gelegentlich zur durch (Teil-) Resektion des Organs erreichbar.                                                                                                        (SUK)

                        

Quellen:
[1] Das Zitat stammt von der International Association for the Study of Pain
[2] Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Hrsg,), Arzneiverordnungen. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2000.
[3] Berthold, H., Klinikleitfaden Arzneimitteltherapie. Urban & Fischer, München Jena, 1999.
[4] Wolf, Weihrauch, Internistische Therapie 2000.2001, Urban & Fischer, München Jena, 2000.
[5] Empfehlungen für eine standardisierte Diagnostik, Therapie und Nachsorge, auf der Homepage des DKFZ und des Tumorzentrums Heidelberg/ Mannheim. http://www.dkfz-heidelberg.de/tzhdma/tr14.htm
[6] Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. http://www.medizin.uni-koeln.de/projekte/dgss/
[7] Konsensus des SCHMERZtherapeutischen Kolloquiums, 1998. : http://www.stk-ev.de
[8] Homepage der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerztherapie der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum, Direktor Prof. M. Zenz: http://www.ruhr-uni-bochum.de/anaesthesia/

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